Tracht zum Leben erweckt

Von den Puppen zu den Menschen

2000 – 2003 Recherche und Nähen der rekonstruierten Kleidungsstücke für zwei Schaufensterpuppen, Vorstellung der Altriper Tracht.

2003 – So, da standen nun die beiden in der Altriper Tracht eingekleideten Schaufensterpuppen, der Öffentlichkeit vorgestellt, aber in der Vitrine. Klappe zu, Tracht ist tot?

2005 ließ Heike in Absprache mit dem Heimat- und Geschichtsverein einen „Versuchsballon“ steigen und schaltete eine Anzeige, in der sie einen Trachtennähkurs anbot.

Das Echo war überwältigend – gleich 16 Männer und Frauen zeigten daran Interesse und auch in der Folgezeit gab und gibt es immer wieder Nähkurse – Männlein wie Weiblein „an der Nadel“. Bis jetzt ist es mit Heikes Hilfe schon jedem und jeder gelungen, seine maßgeschneiderte Tracht zu nähen – das bringt nochmal eine ganz andere Verbundenheit zu den selbstgenähten Kleidungsstücken!

Und wie trägt sich so eine Tracht? Wie fühlt man sich damit?

Es ist – gerade für Frauen, die heutzutage meistens Hosen tragen – sehr ungewohnt! Heute will man eine schlanke Silhouette und auch nichts, was beengt…

Die Tracht ist anders: Mit der Stofffülle des Rockes pfeift sie auf eine schlanke Silhouette, sie will „die Frau zeigen“ (oder den Mann – aber den halt nicht mit dem Rock 😉).  Sie pfeift auch auf die angesagte kurvenlose Bequemlichkeit: Ein Mieder liegt an, frau steht und sitzt gerader, „fletzt“ sich nicht einfach hin, frau „zeigt Haltung“…

Die Tracht – v.a. die Frauentracht – anzuziehen braucht seine Zeit – und die penible Einhaltung der richtigen Reihenfolge der einzelnen Kleidungsstücke. Das bringt eine Achtsamkeit mit sich und mit jedem Stück, das man anzieht, Stolz (man hat die Teile ja zumeist selbst genäht) und eine Verbundenheit zur eigenen Geschichte und der Dorfes… Es ist eine gewisse Verwandlung – nicht Verkleidung! Die Tracht ist kein Fastnachtskostüm! Sie ist ernster, würdevoller, sie drückt Respekt aus – vor dem, der sie gemacht hat – und vor den Menschen, die sie damals trugen.
So in etwa ist das mit der Tracht… Sicherlich für die meisten von uns.

Und wann wird die Tracht getragen?

Wir befinden uns ja in einer Region, wo das Tragen der Tracht nicht üblich ist, deshalb ist das relativ selten.
Wenn in unserem Ort Festivitäten anstehen (Fischerfest, Kerwe), dann laufen wir „im Zug“ mit, aber auch in anderen Ortschaften bei entsprechenden Zügen repräsentieren wir unsere Tracht.

Hier der  Link zur Trachtengruppe, wo es die Informationen zu aktuellen Veranstaltungen gibt.

 

2020 – Die Tracht wird weitergegeben 

Das wäre mir im Traum nicht eingefallen…

Ich weiß zwar, dass in anderen Regionen, sprich in Bayern und Tirol, die wertvollen Trachten, zumindest in Teilen ( Gürtel, Haube ) in der Familie weitergegeben- vererbt werden, aber auch bei uns….

So geschehen vom Vater auf den Schwiegersohn, von der Oma, bzw. dem Opa auf das Enkelkind, von Frau zu Frau. Aus unterschiedlichen Gründen. Die Umzüge werden im Alter zu beschwerlich, der Tod eines Trachtenträgers/in oder Mann/ Frau ist herausgewachsen.

So wird ein neues Kapitel eröffnet mit den unterschiedlichsten Geschichten und Herausforderungen. Kann doch nicht jedeTracht auf den neuen Träger/in abgeändert werden. Zu groß sind manchmal die figürlichen Unterschiede. So konnten einige Stücke gut angepasst werden, andere mussten in Teilen neu zugeschnitten, ergänzt werden, bis zur ganz neuen Tracht, weil die Maße zu sehr abwichen.

Wieder ein besonderes Feld mit schneiderischen Herausforderungen, aber auch neue Geschichten, Wege mit seiner neuen Tracht sich wohlzufühlen, zu schmücken und auch ein wenig stolz zu sein.

Altrip, Pfalz, Kurpfalz, Deutschland

 

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